SKULPTUR DES MONATS

 
Daniel Stubenvoll
Eröffnung: Freitag, 23. Oktober 2015, 19 Uhr
Ausstellung: 24. Oktober–1. November 2015

Öffnungszeiten: Mittwoch 28.10. – Montag 1.11.2015 jeweils von 16–19 Uhr
 
Nach welchen Richtlinien arbeiten? BildproduzentInnen, deren Arbeitsweise sich von seiner eigenen unterscheidet sind oft Ausgangspunkt für Daniel Stubenvolls künstlerisches Arbeiten. Die Variablen und Fixpunkte der Dritten werden zu Seinen, ihre Prozesse werden zur eigenen Produktionsstruktur und erzeugen eine zweite inhaltliche Ebene. Beim losen Assoziieren über das Vorgefundene freut er sich vor allem über humorvolle Begleiterscheinungen seiner Recherche. Für LOTTE – LAND OF THE TEMPORARY ETERNITY hat er das analoge Bildarchiv eines Stuttgarter Sport- und Pressefotografen aufgespürt und Bildrechte erworben. In der Ausstellung „Skulptur des Monats“ geht es um Fragen zu Repräsentation, Idelamaßen und um starke Männer.
 
(„Skulptur des Monats“ – Im ostasiatischen Buddhismus ist Guanyin ein weibliches Erleuchtungswesen des Mitgefühls. Nach der Ausweitung des Buddhismus gen Japan erhielt die Figur dort den Namen Kannon. Daraus wiederum entstand 1935 der Konzernname für die Kameramarke Canon. Canon, lateinisch, steht für Norm, Regel, Kanon und leitet sich wiederum vom griechischen kanon – Leitfaden, Maßstab – ab.
Ein relevantes Wort für die Kunstgeschichte: Der berühmte Kanon des Polyklet ist eine theoretische Abhandlung aus dem 5. Jahrhundert a.D. und beschreibt die idealen Maßstäbe des menschlichen Körpers. Das Buch ging verloren, es existieren aber unvollständige Inhaltsangaben. Der Archäologe und langjähriger Direktor der Baseler Skulpturenhalle Ernst Berger und der Bildhauer Ludwig Stocker wiederum konnten den Polyklet’schen Kanon plausibel am Beispiel des Doryphoros rekonstruieren. Dieser steht als Gipsabguss in der Italienischen Nationalgalerie in Neapel.
 
Idealvorstellungen eines Körpers gibt es auch im Profisport. Jahrelang arbeiten Männer und Frauen auf den Höhepunkt ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit hin – immer mit dem Wissen, dass dieser Zustand nicht von großer Dauer ist. Für die Presse nehmen die gestählten Körper dann eine polykletähnliche Pose ein. Im Gegensatz zum nackten Oberkörper der griechischen und römischen Statuen tragen die SportlerInnen ein Trikot. Nicht so sehr um die gaffende Gesellschaft vor unangenehmer Nacktheit zu bewahren; vielmehr, weil sich dadurch noch ein kleines Plätzchen findet um Geld zu verdienen.)

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