STADTGRUND

 
Aus dem Lebenslauf einer Straße
(Willy-Brandt-Straße, Staatsgalerie–Neckartor, 2001–2015)
Erik Sturm
 
Ausstellungseröffnung: 25. Sept. 2015, 18 Uhr
Ausstellung: 26. Sept.–7. Okt., Mi.– Son. 16–20 Uhr

 
Was bleibt von einer Straße? Gegenstand der Ausstellung STADTGRUND ist die rasante Veränderung des städtischen Raums. Als Beispiel dient die Willy-Brandt-Straße in Stuttgart – die geschichtsträchtige Prachtstraße musste im Laufe der Zeit dem Pragmatismus weichen. Besonders deutlich erkennbar sind die Maßnahmen der 2000er Jahre. Die Hauptverkehrsstrasse ist heute geprägt von 100.000 Autos täglich, Abgasen, Lautstärke, Lärm, Grünflächen, Neubauten und Brachen. Und über allem steht die Baustelle des neuen Bahnhofs – für viele eine Jahrhunderbaustelle, ist sie für Erik Sturm ein Möglichkeitsraum.
 
Während auf der Stuttgart 21-Baustelle archäologische Funde aus der Römerzeit geborgen werden, macht Sturm die Jetztzeit zum Objekt seiner Untersuchungen: Feinstaub vom Neckartor, Kacheln aus den 1920er Jahren aus einem leeren Haus, Holzbalken vom Dach der Staatsgalerie oder abgebrochene Teile der Stahlgiganten von S21 – Rückstände der Stadt werden zu Relikten der Gegenwart, eine Art „Neuzeitarchäolgie“, wie er es selbst nennt. Aus den Objekten entsteht eine eigene Erzählung über Zerstörung und Erneuerung eines Ortes, die politisch- und sozial relevante Fragestellungen aufgreift.
 
Der Projektraum LOTTE befindet sich im Epizentrum dieses Geschehens und trägt seinen Teil zur Stadtgeschichte bei. Was in den letzten Jahren in der Willy-Brandt-Straße passierte und sich in den nächsten Jahren weiter entwickeln wird, zeugt von einer sehr großen Energie, die Erik Sturm versucht mit seiner Ausstellung STADTGRUND sichtbar zu machen.
 
Erik Sturm, geb. 1982, ist Bildhauer. Er beschäftigt sich mit Konflikten und Phänomenen des öffentlichen Raums. Sein Interesse gilt der Gegenwart und jüngeren Vergangenheit, die oft mit seiner eigenen Biografie verknüpft ist. Er untersucht Sedimente und Rückstände von Städten, behauptet diese als Skulpturen, erstellt daraus Archive, oder arbeitet mit ihnen als bildhauerisches Material. Erik Sturm lebt und arbeitet in Stuttgart und hat von 2005-2009 an der Merz Akademie Stuttgart und von 2009-2013 an der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart bei Prof. Jankowski studiert. Er ist Mitbegründer und Hauptverantwortlicher des Projektraums LOTTE.

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