TONIC CLONIC

Bjoern Kuehn
 
Vernissage: Freitag 7.09.2012, 19 Uhr
Ausstellung: 8.-17.09
 
„show your courage in the electronic world“ (Mauzi)
 

Seit längerer Zeit arbeitet Björn Kühn (Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, Goldsmiths London) im Kontext medizinischer Diskurse. Momentan vor allem über den Anfall (Epilepsie) als ästhetischen Zustand. Dabei interessiert ihn besonders das Verhältnis von Bewusstsein und dessen biologischem Gegenstück.

 
1997 wurde die mittlerweile verbotene Pokemon-Folge Electric Soldier Polygon zum ersten und einzigen Mal in Japan ausgestrahlt. In Minute 20 dieser Folge erlitten mehr als 600 Kinder simultan einen epileptischen Anfall. Mehr als 12.000 Kinder landeten wegen geringerer Symptome im Krankenhaus. Vier Monate später wird eine Sondersendung ausgestrahlt, die auf medizinischer Ebene versucht zu erklären, wie es zu dem Vorfall kommen konnte. Sieht man sich jedoch die Folge selbst an, stellt sich die Frage, ob diese Erklärungsversuche greifen. Die Animation scheint die Grenzen ihrer Fiktionalität überschritten zu haben um ihre Medialität als Körperhaftes, als Rhythmisches und Übergreifendes, kurz als Vitales wiederaufzunehmen. Es finden sich ununterbrochen Bilder für das, was sie selbst ausgelöst hat und für die Konsequenzen, die sie nach sich zog. Diese intrinsische Kontextualisierung, dieses unheimliche Wissen als Vorausgreifen in Zukünftiges beschreibt dabei die Koordinaten dieses Ereignisses: Der generalisierte, synchronisierte Körper des epileptischen Anfalls. In der Ausstellung „TONIC CLONIC“ wird dieses Screening der Animation in neuer Anordnung gezeigt, zusammen mit der Arbeit „Filmstill“, die als ätiologische Ergänzung fungiert.